Von Hany Danial
Es gibt Abende im deutschen Fußball, die sich wie kleine Erdbeben anfühlen, weil sie das gewohnte Machtgefüge ins Wanken bringen. Das jüngste Bundesliga-Wochenende lieferte genau so ein Szenario, in dem der FC Bayern München eine historische Chance leichtfertig verspielte und stattdessen tiefe Fragen aufwarf. Ausgerechnet im prestigeträchtigen bayerischen Duell gegen den FC Augsburg stolperte der Rekordmeister und musste sich mit einem enttäuschenden Unentschieden begnügen. Dieser Rückschlag kam keineswegs aus dem Nichts, sondern war das bittere Resultat einer kollektiven Unkonzentriertheit, die den Meisterschaftskampf nun völlig neu entfacht.
Dabei schien die Ausgangslage für die Münchner perfekt vorbereitet zu sein. Nur wenige Stunden zuvor hatte Borussia Dortmund im Parallelspiel gegen Werder Bremen ebenfalls nur Unentschieden gespielt. Die Steilvorlage lag bereit, um mit einem Dreier die Tabellenführung auszubauen und den Verfolgern ein unmissverständliches Signal zu senden. Doch statt den erhofften Befreiungsschlag zu landen, agierten die Münchner über weite Strecken überraschend lethargisch und ließen die nötige Durchschlagskraft vermissen. Der vergebene Matchball wiegt umso schwerer, als die Konkurrenz patzte und Bayern es verpasste, sich entscheidend abzusetzen.
Das absolut dramatische Symbol dieses verschenkten Abends war jedoch ein Moment, den man beim FC Bayern so schlichtweg nicht gewohnt ist. Manuel Neuer, der jahrelang unumstrittene Welttorhüter und sicherer Rückhalt in brenzligen Situationen, leistete sich einen folgenschweren Patzer. Ein unüberlegtes Ausflug und ein technischer Fehlgriff im Spielaufbau luden die Augsburger förmlich zum Torerfolg ein. Solche Patzer von einer absoluten Identifikationsfigur und Führungspersönlichkeit strahlen sofort auf die gesamte Mannschaft aus und hinterlassen Spuren der Verunsicherung, die in den kommenden Wochen dringend aufgefangen werden müssen.
Nun schaut ganz Fußball-Deutschland mit Hochspannung auf den kommenden Samstag, an dem das nächste absolute Topspiel ansteht. Der FC Bayern empfängt RB Leipzig, und die Vorzeichen für dieses richtungsweisende Duell könnten kaum brisanter sein. Die Sachsen reisen mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein nach München, nachdem sie im eigenen Ligaspiel ein wahres Offensivfeuerwerk abgebrannt und Eintracht Frankfurt mit einer historischen 6:0-Saisonleistung förmlich überrollt hatten. Leipzig befindet sich in absoluter Topform, strotzt vor Spielfreude und wird die verunsicherte Bayern-Defensive von der ersten Minute an unter Druck setzen wollen. Für die Münchner geht es an diesem Wochenende um weit mehr als nur um drei Punkte. Es geht um die sportliche Ehre, um die Wiederherstellung der mentalen Stärke und darum, den drohenden Verlust der Tabellenspitze in einem echten Härtetest abzuwenden. Das kommende Spiel wird gnadenlos aufdecken, ob der Rekordmeister nach dem Augsburg-Schock und Neuers Patzer noch die richtige Antwort auf dem Platz parat hat.





