Am Grünen-Parteitag sieht man, wie wichtig Widerspruch ist. Denn in der Abgrenzung  schärft die eigene Meinung sich auch. Ob zum Ukrainekrieg oder zu den AKW-Laufzeiten – es kommt nicht auf die Quantität, sondern die Qualität an. Die Grünen wirken da vorbildlich.

Die Zivilgesellschaft lebt vom Austausch an Argumenten, manchmal auch buchstäblich: Meinungen ändern sich anhand des Vorgetragenen. Und sie lebt vom Kompromiss – für den die Kenntnis der unterschiedlichen Positionen nötig ist, um sie zusammenführen zu können. Was sich wiederum, siehe die Grünen, befriedend auswirkt.
Die Technik spielt dabei schon eine Rolle, die der Veranstaltungs- oder Konferenzleitung und der Kompromissfindung. Ein Lob des Kompromisses: Wenn es dazu (Vor-)Gespräche in kleinem und kleinsten Kreis gibt, so handelt es sich nicht um Zirkel, die um sich selbst kreisen, sondern um Politik in gutem Sinn.

Polis und Agora, von den alten Griechen bis heute: Bereite vor, wozu du Menschen rufst, auf dass sie dir folgen mögen oder ihre Stimme geben wollen. „Das große Gespräch der Gesellschaft“, das Willy Brandt immer vorschwebte, dem bedeutenden Sozialdemokraten, der „mehr Demokratie wagen“ wollte, ist anders nicht zu erreichen. Denn es ist ein Weg mit Zwischenstationen. Das große Sich-Zusammensetzen, um sich auseinanderzusetzen, beginnt doch oft genug mit kleineren Diskursen.