Von Shery Abdo 

Die Frankfurter Buchmesse bleibt ein zentraler Treffpunkt der internationalen Buchbranche. An den ersten beiden Fachbesuchertagen der 78. Ausgabe, die vom 7. bis 11. Oktober 2026 stattfindet, strömten insgesamt 65.000 Fachbesucher aus 130 Ländern auf das Messegelände. Damit knüpft die weltweit bedeutende Buchmesse an das starke Niveau des Vorjahres an. Rund 4.000 Aussteller präsentieren in Frankfurt ihre Bücher, Produkte und Dienstleistungen. Mehr als 3.800 Veranstaltungen auf dem Messegelände und im Stadtgebiet machen die Mainmetropole bis Sonntagabend erneut zum Zentrum des internationalen Literaturgeschehens.

Erstmals waren unter den Fachbesuchern der ersten beiden Messetage auch Gäste aus Cabo Verde, Grönland, Guinea, den Turks- und Caicosinseln sowie Eswatini vertreten. Die internationale Ausrichtung spiegelt sich auch im Literaturgeschäft wider: Im erneut stark frequentierten Literary Agents & Scouts Centre (LitAg) präsentierten sich 319 Agenturen aus 32 Ländern. Zusammen mit dem Publishers Rights Centre wurden dort 582 Tische vermietet, etwas weniger als im Vorjahr mit 591.

Für Aufmerksamkeit sorgten auch mehrere bedeutende Buchgeschäfte. Der britische Independent-Verlag Magic Cat Publishing sicherte sich den Debüt-Kindertitel „Once, in the Forest“ der Bestsellerautorin Joanne Harris, bekannt durch ihren Roman „Chocolat“. Zudem vereinbarten Penguin Random House UK und die Hachette Book Group einen transatlantischen Deal für den neuen Kriminalroman „The Protector“ von James Patterson und Arnold Schwarzenegger. Großes Interesse galt darüber hinaus der koreanischen Literatur und Stimmen aus kleineren Sprachräumen.

Positiv fiel die erste Bilanz der neuen Hallenstruktur aus. Aussteller mit einem Schwerpunkt auf Geschäftskontakten und Branchenkooperationen befinden sich nun in den oberen Hallenebenen, während Angebote für das breite Publikum vorwiegend in den Erdgeschossen angesiedelt sind. Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, zeigte sich nach den ersten beiden Fachbesuchertagen zufrieden: Das neue Konzept habe sich für Aussteller und Fachpublikum „äußerst gut“ bewährt. Bislang habe die Messe dazu sehr positive Rückmeldungen erhalten.

Neben Buchverträgen und Marktstrategien bestimmte vor allem ein Thema die Diskussionen: künstliche Intelligenz und ihre Folgen für die Verlagsbranche. Beim CEO Talk erklärte Tobias Wann, Chef des Audio-Unternehmens tonies, dass sein Unternehmen zwar mit KI für einige Produkte experimentiere, die Toniebox selbst jedoch „niemals ein KI-Spielzeug werden“ solle.

Nigel Newton, Gründer und CEO von Bloomsbury Publishing, zeigte sich ebenfalls zuversichtlich. Die Verlagsbranche habe in ihrer Geschichte bereits zahlreiche Herausforderungen bewältigt, sagte er. Auch den möglichen Umbruch durch KI werde sie meistern. „Alles ist noch offen. Es ist noch Zeit, das Biest zu zähmen“, so Newton. Bei der Frankfurt Kids Conference betonte Perminder Mann, CEO von Simon & Schuster UK und International, zugleich die Bedeutung vielfältiger Geschichten aus aller Welt. Gerade in einer polarisierten Gesellschaft könne Literatur Menschen miteinander verbinden.

Dass es in Frankfurt nicht allein um Bücher als Wirtschaftsgüter geht, wurde bereits bei der Eröffnung deutlich. Die US-Historikerin und Pulitzer-Preisträgerin Jill Lepore warnte bei der Eröffnungs-Pressekonferenz davor, die Zukunft einer kleinen Gruppe übermächtiger Akteure zu überlassen. Ihre Kritik richtete sich gegen eine Entwicklung, bei der wenige einflussreiche Persönlichkeiten die gesellschaftliche und technologische Zukunft bestimmen könnten.

Auch Glenn Micallef, EU-Kommissar für Generationengerechtigkeit, Jugend, Kultur und Sport, mahnte bei der Eröffnungsveranstaltung einen verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Intelligenz an. KI werde mehr Wörter hervorbringen als jede Generation zuvor. Entscheidend sei jedoch, die Menschen hinter diesen Worten nicht aus dem Blick zu verlieren. Technologie könne Wörter erzeugen, betonte Micallef, doch erst Menschen könnten sie zum Leben erwecken.

Besonders deutlich formulierte die tschechische Autorin Radka Denemarková die politische Dimension der Literatur. Die Forderung, Politik und Literatur voneinander zu trennen, wies sie entschieden zurück: „Alles ist Politik.“ Die entscheidende Frage unserer Zeit sei, ob sich Gesellschaften für eine offene Demokratie oder eine geschlossene Gesellschaft entschieden. Die Literatur kenne die Antwort – und genau deshalb sei sie so gefährlich.

Nach zwei intensiven Fachbesuchertagen zeigt sich die Frankfurter Buchmesse damit einmal mehr als weit mehr als ein internationaler Marktplatz für Bücher und Rechte. Sie ist zugleich ein Forum für