Von Hany Danial
Ein sicher geglaubter Sieg wird zum bitteren Rückschlag: Borussia Dortmund führt gegen SV Werder Bremen mit 2:0, kassiert in der Schlussphase jedoch zwei Gegentore und muss sich mit einem 2:2 zufriedengeben. Ausgerechnet Niclas Füllkrug trifft gegen seinen ehemaligen Verein. Gleichzeitig darf Bayern München auf einen wichtigen Schritt im Titelrennen hoffen.
Was für ein Fußballabend, was für eine dramatische Schlussphase! Borussia Dortmund schien gegen Werder Bremen bereits auf dem sicheren Weg zum nächsten Bundesliga-Sieg zu sein. Doch innerhalb weniger Minuten verwandelte sich die vermeintliche Dortmunder Siegesfeier in eine bittere Enttäuschung. Am Ende stand ein 2:2 auf der Anzeigetafel, und ein Bremer, der an seiner alten Wirkungsstätte für ungläubige Gesichter sorgte: Niclas Füllkrug.
Nach einer torlosen ersten Halbzeit erhöhte Dortmund im zweiten Durchgang den Druck und belohnte sich spät für seine Bemühungen. Daniel Svensson brachte den BVB in der 80. Minute mit 1:0 in Führung. Nur fünf Minuten später erhöhte Nico Schlotterbeck per Kopf nach einem Eckball auf 2:0. Die Partie schien entschieden, die drei Punkte zum Greifen nah. Doch Werder Bremen gab sich nicht geschlagen. Ludovit Reis verkürzte in der 88. Minute auf 1:2 und brachte die Spannung zurück. Als sich die Dortmunder bereits auf den Schlusspfiff vorbereiteten, folgte der nächste Schock: In der zweiten Minute der Nachspielzeit köpfte Niclas Füllkrug zum 2:2 ein. Ausgerechnet der ehemalige Dortmunder Angreifer besiegelte den späten Punktverlust seines früheren Vereins.
Für Füllkrug war dieser Treffer mehr als nur ein später Ausgleich. Er kennt den BVB aus seiner Zeit in Dortmund und kehrte nun im Trikot von Werder Bremen an eine vertraute Spielstätte zurück. Sein Kopfball traf Dortmund sportlich und emotional zugleich. Während die Bremer den verdienten Punktgewinn ausgelassen feierten, blieb den Gastgebern nur die Erkenntnis, einen bereits sicher geglaubten Sieg aus der Hand gegeben zu haben. Füllkrugs Treffer war zugleich ein Symbol für die Unberechenbarkeit des Fußballs: Eine Partie ist erst dann entschieden, wenn der Schiedsrichter tatsächlich abgepfiffen hat.
Dortmunds Trainer Niko Kovač hatte nach dem Abpfiff allen Grund zur Enttäuschung. Seine Mannschaft hatte über weite Strecken die Kontrolle, steigerte sich nach der Pause und führte fünf Minuten vor dem regulären Spielende mit zwei Toren. Dennoch gelang es dem BVB nicht, die Führung souverän über die Zeit zu bringen. Kovač kritisierte auch strittige Schiedsrichterentscheidungen und die aus seiner Sicht unglückliche Bewertung einzelner Spielszenen. Die entscheidende Frage bleibt jedoch, warum Dortmund nach dem 2:0 die defensive Stabilität und die nötige Konzentration verlor. Sportgeschäftsführer Lars Ricken zeigte sich ebenfalls enttäuscht und betonte, dass die Mannschaft solche Begegnungen nach einer späten Führung konsequenter entscheiden müsse. Auf der anderen Seite durfte Werder-Trainer Daniel Thioune stolz auf die Moral seiner Spieler sein. Bremen glaubte bis zum Schluss an seine Chance und wurde für den Mut in der Schlussphase belohnt.
Eine zusätzliche Rolle spielte die Rückkehr aus der Länderspielpause. Nach einer längeren Unterbrechung müssen Spieler ihren Wettkampfrhythmus erst wiederfinden. Nationalspieler kehren mit unterschiedlichen Belastungen, Reisezeiten und körperlichen Voraussetzungen zurück. Hinzu kommen mögliche Verletzungen, kleinere Beschwerden und unterschiedliche Trainingsumfänge. Dortmund wirkte phasenweise zwar dominant, ließ aber zunächst die letzte Präzision im Angriff vermissen. Allerdings wäre es zu einfach, den späten Einbruch ausschließlich mit der Länderspielpause zu erklären. Gerade nach einer 2:0-Führung sind Ruhe, taktische Disziplin und eine konsequente Absicherung entscheidend. Der BVB muss deshalb schnell wieder Stabilität über die gesamte Spielzeit entwickeln, wenn er seine Saisonziele erreichen will.
Der Punktverlust könnte auch im Titelrennen Folgen haben. Dortmund steht nach fünf Spieltagen bei 13 Punkten, während Bayern München zehn Zähler auf dem Konto hat und noch eine Partie weniger absolviert hat. Mit einem Sieg in seinem nächsten Ligaspiel könnte der Rekordmeister den Rückstand deutlich verkürzen. Dabei ist eine wichtige Einordnung nötig: Bayern trifft am Samstag, dem 10. Oktober, auf den FC Augsburg, während RB Leipzig gegen Eintracht Frankfurt spielt. Ein direktes Duell zwischen Bayern und Leipzig steht an diesem Spieltag nicht auf dem Programm. Für Dortmund bedeutet das, dass der Vorsprung an der Spitze keineswegs komfortabel ist. Jeder weitere Punktverlust könnte die Konkurrenz näher heranbringen und den Druck auf die Mannschaft erhöhen.
Trotz des enttäuschenden Ergebnisses sollte Dortmund seinen starken Saisonstart nicht grundsätzlich infrage stellen. Die bisherigen Leistungen haben gezeigt, dass die Mannschaft konkurrenzfähig ist.





