Berlin 

Am 300. Geburtstag des Aufklärers spricht Bundeskanzler Scholz dem russischen Präsidenten Putin das Recht ab, sich in seiner Politik auf Kant zu berufen.

Ausgerichtet wurde der Festakt von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Sie steht in der Tradition der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der auch Kant als auswärtiges Mitglied angehörte.

Der Philosoph wurde am 22. April 1724 in Königsberg (Kaliningrad) geboren, das heute als Exklave zu Russland gehört. Die Würde und die Autonomie des Einzelnen würden in „Putins Autokratie heute täglich mit Füßen getreten und im Keim erstickt – etwa mit den Mitteln der Zensur, der digitalen Desinformation und Überwachung“, sagte Scholz. Auch als „Stichwortgeber für Angriffskrieg, Völkerrechtsbruch und Despotie“ eigne sich der Philosoph nicht.

Scholz zitierte in seiner Rede auch widersprüchliche Aussagen von Putin. So habe der russische Präsident im Jahr 2005 noch gesagt: „Kant war ein kategorischer Gegner der Beilegung zwischenstaatlicher Streitigkeiten durch Krieg. Und wir versuchen, uns an diesen Teil seiner Lehre zu halten. Ich glaube, dass die Vision, die Kant dargelegt hat, von unserer Generation verwirklicht werden sollte und kann.