Vom Hany anial
Es gibt Abende im deutschen Profifußball, da liegt nach Wochen der Unruhe und personeller Veränderungen eine spürbare Entspannung in der Luft. Wenn ein Team wie RB Leipzig nach einer schmerzhaften und deutlichen Niederlage gegen den FC Bayern München zum schweren Auswärtsspiel antreten muss, wie es zuletzt im Oktober der Fall war, wird jedes Detail auf die Waagschale gelegt. Unter der Regie von Trainer Martín Demichelis ging es in der Veltins-Arena gegen den FC Schalke 04 längst nicht mehr nur um drei gewöhnliche Punkte im Tabellenbild der Bundesliga, sondern um den sportlichen Nachweis, dass der Motor nach dem herben Dämpfer gegen den Rekordmeister wieder rundläuft. Die Sachsen, die im Sommer einen Umbruch vollzogen hatten und seither unter dem argentinischen Übungsleiter agieren, nahmen das Heft des Handelns von der ersten Minute an in die Hand. Gegen tief gestaffelte und auf Kompaktheit bedachte Königsblauen entwickelte sich von Beginn an eine Begegnung, in der die Gäste aus Leipzig spielerisch die Akzente setzten. Schalke versuchte zwar, mit physischer Präsenz und Kontern über Standardsenken dagegenzuhalten, wurde jedoch im Aufbauspiel immer wieder konsequent gestört. Die statistischen Werte der ersten Halbzeit sprachen eine deutliche Sprache: Ballbesitz, Passschärfe und die Dominanz im Mittelfeld lagen klar auf Seiten der Roten Bullen, die sich für ihren hohen Aufwand noch vor dem Pausenpfiff belohnen sollten.

In der 37. Spielminute war es eine unübersichtliche Aktion im Schalker Strafraum, die den Weg ebnete: Nach einem vermeintlichen Vergehen griff der Video-Assistent ein, und Schiedsrichter sowie VAR bestätigten den fälligen Strafstoß für die Gäste. Antonio Nusa, der junge norwegische Unterschiedsspieler, trat an und verlud Schalkes Schlussmann Loris Karius eiskalt zum umjubelten 1:0. Zwar versuchten die Gastgeber kurz vor dem Gang in die Kabinen noch einmal zu antworten, doch ein vermeintlicher Treffer der Schalker zählte nach Ansicht der Videobilder wegen einer vorherigen Übertretung der Torauslinie nicht mehr.

Nach dem Seitenwechsel drängte Schalke kurzzeitig auf den Ausgleich, und die Leipziger Hintermannschaft musste hellwach sein ,so klärte Rômulo Cardoso in der 49. Minute einen brandgefährlichen Ball in höchster Not von der eigenen Torlinie nach einem Eckstoß. Doch dieser kurze Sturmlauf der Hausherren verpuffte schnell, weil Leipzig taktisch diszipliniert verschob und die Kontrolle im Mittelfeld zurückeroberte. Die Demichelis-Elf schaltete nun wieder in den Angriffsmodus und kreierte Chancen im Minutentakt. Erst zwang Ezechiel Banzuzi nach feinem Zusammenspiel mit Nusa den stark parierenden Karius zu einer Glanztat, kurz darauf scheiterte der umtriebige Norweger selbst am glänzend aufgelegten Schlussmann.

Der erlösende und zugleich spielentscheidende zweite Treffer fiel schließlich in der 78. Minute nach einem mustergültig vorgetragenen, rasanten Angriff: Der eingewechselte Christoph Baumgartner leitete die Szene ein, der ebenfalls eingewechselte Tidiam Gomis schaltete schnell und bediente Antonio Nusa im Zentrum, der die Übersicht behielt und mustergültig querlegte, sodass Rômulo Cardoso aus kurzer Distanz völlig freistehend zum 2:0 vollendete. Mit dieser Aktion krönte Nusa seine herausragende Leistung, an der beide Tore direkt beteiligt waren, und untermauerte seinen Status als Topscorer der Liga. Am Ende stand ein hochverdienter und auch in der Höhe souveräner Auswärtssieg, der den ersten Dreier auf fremdem Platz in dieser Bundesliga-Saison perfekt machte und Leipzig im Klassement auf den vierten Tabellenrang klettern ließ. Das Team hat die richtige sportliche Antwort gegeben, den Bayern-Dämpfer sportlich verarbeitet und tankt durch diesen Auftritt enormen Rückenwind für die kommenden Wochen – allen voran für die anstehende, schwere Hürde auf der europäischen Bühne in der UEFA Champions League gegen Manchester City, wo die Roten Bullen mit genau dieser Kompaktheit und Offensivkraft erneut überraschen wollen.