Kansas City. Es war ein Abnutzungskampf der extremen Sorte. Über 117 Minuten bissen sich die hochfavorisierten Argentinier am taktisch glänzend eingestellten Defensivriegel der Eidgenossen die Zähne aus. Am Ende entschied ein einziger Geniestreich von Lionel Messi und Angel Di Maria eine hochspannende Achtelfinal-Begegnung, die den Schweizern alles abverlangte, sie aber mit leerem Händen im Tränenmeer zurückließ.
Von Beginn an entwickelte sich das erwartete Geduldsspiel für die Albiceleste. Die Schweiz, unter der Regie von Ottmar Hitzfeld defensiv perfekt organisiert, überließ Argentinien den Ball und lauerte auf Umschaltmomente. Argentinien fand im ersten Durchgang kaum spielerische Mittel, um das dichte Mittelfeldnetz der Schweizer zu durchdringen. Lionel Messi wurde phasenweise von drei Gegenspielern gleichzeitig beschattet.
Die besseren Chancen im ersten Durchgang verzeichneten überraschend die Schweizer. Nach einem Geniestreich von Shaqiri scheiterte Xhaka freistehend am glänzend reagierenden argentinischen Schlussmann Romero. Wenig später vergab Drmic kläglich, als er völlig frei vor dem Tor den Ball in die Arme des Keepers lupfte. Argentinien wirkte ideenlos und ging mit einem schmeichelhaften Unentschieden in die Kabine.
Nach dem Seitenwechsel erhöhte die Mannschaft von Alejandro Sabella das Tempo. Die Südamerikaner verlagerten das Spiel nun fast vollständig in die Hälfte der Schweizer. Flanke um Flanke segelte in den Strafraum der Eidgenossen, doch die Innenverteidigung um Djourou und Schär verteidigte mit leidenschaftlicher Hingabe. Wenn doch ein Ball durchkam, war der überragende Schweizer Rückhalt Diego Benaglio zur Stelle, der unter anderem einen gefährlichen Kopfball von Gonzalo Higuain sensationell über die Latte lenkte.
Da keine der beiden Mannschaften in der regulären Spielzeit den entscheidenden Punch setzen konnte, bat Schiedsrichter Jonas Eriksson zur Verlängerung.
In den Zusatzminuten schwanden auf beiden Seiten spürbar die Kräfte. Die Schweiz konzentrierte sich nur noch auf das Erreichen des Elfmeterschießens, während Argentinien mit dem Mut der Verzweiflung anrannte. Als sich die Zuschauer im Stadion bereits auf das finale Drama vom Punkt einstellten, schlug die 118. Spielminute.
Nach einem Ballverlust der Schweizer im Mittelfeld schaltete Messi blitzschnell. Mit einem unwiderstehlichen Sololauf zog er das Tempo an, zog drei Verteidiger auf sich und bediente im perfekten Moment den rechts mitgelaufenen Angel Di Maria. Der Mittelfeldakteur von Real Madrid behielt die Nerven und schob den Ball präzise flach ins lange Eck ein – 1:0 für Argentinien.
Die Schweiz warf in den verbleibenden Sekunden alles nach vorne und verbuchte in der Nachspielzeit der Verlängerung fast den Ausgleich: Ein Kopfball von Dzemaili klatschte an den Pfosten, der Abpraller sprang unglücklich vom Schienbein des Schweizers ins Toraus. Kurz darauf war Schluss. Argentinien zog mit viel Mühe und einer gehörigen Portion Glück ins Viertelfinale ein, während eine heroisch kämpfende Schweiz erhobenen Hauptes die Heimreise antreten musste.
Aufstellungen:
Argentinien: Romero – Zabaleta, F. Fernandez, Garay, Rojo (105. Basanta) – Gago (106. Biglia), Mascherano, Di Maria – Messi, Higuain, Lavezzi (74. Palacio).
Schweiz: Benaglio – Lichtsteiner, Schär, Djourou, Rodriguez – Behrami, Inler – Xhaka (66. Fernandes), Shaqiri, Mehmedi (113. Dzemaili) – Drmic (74. Seferovic).
Schiedsrichter: Jonas Eriksson (Schweden)
Zuschauer: 63.255





