Von Kai Ulrich
Mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland sind wohnungslos. Das geht aus dem heute veröffentlichten neuen Wohnungslosenbericht der Bundesregierung hervor.
Im Vergleich zum letzten Wohnungslosenbericht hat sich die Zahl der Menschen, die keinen Mietvertrag und kein eigenes Zuhause haben, somit nahezu verdoppelt.
Die meisten von ihnen werden von den Kommunen und der Freien Wohlfahrtspflege untergebracht, etwa ein Fünftel lebt verdeckt wohnungslos bei Freunden und Bekannten oder ohne jede Unterkunft auf der Straße. Die Diakonie Deutschland und der Evangelische Bundesfachverband Existenzsicherung und Teilhabe e.V. (EBET) fordern Bund, Länder und Kommunen auf, ihre Anstrengungen zur Überwindung von Obdach- und Wohnungslosigkeit zu verstärken.
Eine neue Bundesregierung muss den Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit. Jeder Mensch hat das Recht auf ein sicheres Zuhause – das ist nicht nur ein Grundbedürfnis, sondern auch eine Frage von Würde und Teilhabe“, betont Elke Ronneberger, Bundesvorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. „Der neue Wohnungslosenbericht zeigt, dass wir vom Ziel, Obdach- und Wohnungslosigkeit bis 2030 zu überwinden, noch weit entfernt sind.
Als Diakonie wollen und werden wir uns nicht an Wohnungslosigkeit gewöhnen. Stattdessen werden wir weiterhin mit unseren Angeboten unterstützen, wo wir können“, erklärt Ronneberger. Der Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit biete eine gute Grundlage für die Aktivitäten der künftigen Bundesregierung. „Das ausgegebene Ziel, Obdach- und Wohnungslosigkeit bis 2030 zu überwinden, muss Ansporn sein, die Leitlinien des Aktionsplans mit konkreten Maßnahmen zu füllen. Wir brauchen zum Beispiel deutlich mehr bezahlbaren Wohnraum gerade auch für wohnungslose Menschen.
Die Diskriminierung wohnungsloser Menschen auf dem Wohnungsmarkt und strukturelle Barrieren wie negative Schufa-Einträge müssen abgebaut werden. Denn ein Plan allein bringt noch niemandem einen Mietvertrag“, so Ronneberger.
Dr. Jens Rannenberg, Vorsitzender des EBET, fordert, den Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit endlich konsequent umzusetzen: „Dass die Bundesregierung in dieser Legislatur erstmals einen Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit erstellt hat, war ein überfälliges und gutes Signal. Der eingeschlagene Weg muss nun beschleunigt weitergegangen werden. Wir brauchen eine Neuausrichtung der Wohnungspolitik.
Wohnungslose Menschen müssen einen deutlich besseren Zugang zu Wohnraum bekommen. Zudem muss die Prävention vor Wohnungsverlust gestärkt werden. Die nächste Bundesregierung wird hierfür Gesetzesänderungen für mehr Mieterschutz umsetzen und notwendige finanzielle Mittel bereitstellen müssen. Andere Länder zeigen uns: Es ist möglich, Obdach- und Wohnungslosigkeit gesellschaftlich zu überwinden.“





