Von Peter Azer
Angesichts der jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes warnt der Deutsche Caritasverband vor Kürzungen bei der Schuldnerberatung. Im Jahr 2025 waren Erkrankung, Sucht oder Unfälle mit 18 Prozent die häufigsten Auslöser einer Überschuldung. Fast gleichauf wurde Arbeitslosigkeit mit 17 Prozent als zweithäufigste Ursache genannt. Auch der Verlust des Partners oder Partnerin durch Tod oder Trennung stellt weiterhin ein besonderes Verschuldungs-Risiko dar.
Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa: „Am Anfang einer Verschuldungsspirale stehen oft Schicksalsschläge – es manifestieren sich Lebensrisiken, die grundsätzlich jeden treffen können und die zu bewältigen alleine oft nicht gelingt. Schuldnerberatungen haben die nötige Expertise, um in diesen Situationen zu intervenieren und professionell zu begleiten. Sie können verhindern, dass Lebensrisiken sich zu Abwärtsspiralen verfestigen und Lebenschancen dauerhaft verbauen.“
Schulden bei Energieunternehmen sind mit einem Anteil von 27 Prozent oder Mietschulden mit einem Anteil von 19 Prozent besonders belastend, da hierdurch existentielle Lebensgrundlagen gefährdet sind, wie die eigene Wohnung oder das Heizen und Kochen. Die häufigsten Zahlungsrückstände gab es im Berichtszeitraum gegenüber der öffentlichen Hand – bei Finanzämtern, Renten- und Krankenversicherungen oder auch Jobcentern (57 Prozent), 37 Prozent der Rückstände entstanden bei Ratenkrediten bei Kreditinstituten.
Der Deutsche Caritasverband (DCV) unterhält mehr als 300 Schuldnerberatungsstellen sowie zahlreiche Beratungsangebote wie die Allgemeine Sozialberatung, die Familienberatung oder Schwangerschaftsberatung, die ebenfalls in finanziellen Schwierigkeiten zur Seite stehen. Viele der Angebote sind über die Caritas Online-Beratung auch digital oder hybrid zugänglich. Der DCV ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) mit rund 1.400 gemeinnützigen Schuldnerberatungsstellen. Rund 600.000 Ratsuchende suchten im Jahr 2025 Schuldnerberatungen auf.
Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem: Nach einer Umfrage der AG SBV müssen Hilfesuchende bei rund 60 Prozent der Beratungsstellen zwischen drei und sechs Monaten auf einen Termin warten.
„Die soziale Schuldnerberatung ist überlastet“, so Welskop-Deffaa. „Die Beratungskonstellationen werden komplexer und damit aufwendiger. Eine schnelle Beratung kann verhindern, dass sich Probleme zu Problembergen stapeln, unter denen die hoch verschuldeten Menschen förmlich zusammenbrechen. Deshalb muss das Angebot von Schuldnerberatung so abgesichert werden, dass es trotz der finanziellen Engpässe vieler Kommunen verlässlich erhalten werden kann.“





