Warschauer- Von Hany Danial
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zusammen mit den Staatschefs Polens und Israels an die Opfer der deutschen Besatzer und die NS-Verbrechen im Zweiten Weltkrieg erinnert. Steinmeier, der polnische Präsident Andrzej Duda und ihr israelischer Kollege Isaac Herzog nahmen an einer Gedenkfeier vor dem Ehrenmal für die Helden des Warschauer Ghettos teil.
„Ich stehe heute vor Ihnen und bitte um Vergebung für die Verbrechen, die Deutsche hier begangen haben“, sagte Steinmeier in seiner Rede. Mit ihm sprach erstmals ein deutsches Staatsoberhaupt eine Gedenkrede zum Jahrestag. Das Ghetto-Ehrenmal ist seit dem Kniefall des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt im Dezember 1970 auch ein prägender Ort für die deutsch-polnische Aussöhnung. Vor der Gedenkfeier traf sich Steinmeier mit Holocaust-Überlebenden.
Steinmeier sagte „Deutsche haben das Menschlichkeitsverbrechen der Shoah minutiös geplant und durchgeführt“, sagte Steinmeier. „Deutsche haben Europas Jüdinnen und Juden, die Jüdinnen und Juden Warschaus mit einer Grausamkeit und Unmenschlichkeit verfolgt, versklavt, ermordet, für die uns die Worte fehlen.“
Als am 19. April 1943 Einheiten der SS im Ghetto einmarschierten, wehrten sich die jüdischen Gefangenen gegen ihre Deportation und die Übermacht der deutschen Einheiten. Obwohl sie nur schwach bewaffnet und militärisch völlig unterlegen waren, dauerte es fast vier Wochen, bis die SS den Aufstand endgültig niederschlug. Bei den Kämpfen, die bis Mitte Mai andauerten, wurden mehr als 56 000 Juden getötet oder in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert.
Am 20. April wird aus diesem Grund zudem in Berlin ein Bildungstag der Jüdischen Akademie des Zentralrats der Juden stattfinden, der sich der Erinnerung an den Aufstand widmet. Hierzu Dr. Schuster: „Es ist ein Prozess im Gange, der unseren Blick auf Geschichte und Erinnerung verändert.
Die jüdische Gemeinschaft muss dabei eine selbstbestimmte und aktive Rolle einnehmen. Die Jüdische Akademie hat den Auftrag, eine jüdische Perspektive auf eine Debatte der Mehrheitsgesellschaft zu formulieren. Die Veranstaltung steht ganz im Wesenssinn dieses Gedankens der Selbstbestimmtheit.“





