Von Sherry Abdo

Fußball verbindet Menschen, vermittelt Werte und erreicht Millionen. Doch wo Begeisterung und Gemeinschaft entstehen, darf kein Platz für Hass und Diskriminierung sein. Diese Botschaft stand im Mittelpunkt eines Treffens zwischen Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, und Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Bei ihrem Austausch in München ging es um die gesellschaftliche Verantwortung des Sports und um die gemeinsame Aufgabe, Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung entschlossen entgegenzutreten.

Das Gespräch fand einen Tag nach dem Nations-League-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien statt. Auf Einladung von Neuendorf hatte Knobloch die Partie besucht. Beide verbindet darüber hinaus ihr gemeinsames Engagement in der Jury des Julius-Hirsch-Preises, mit dem der DFB seit 2002 Vereine und Initiativen auszeichnet, die sich für Vielfalt, Toleranz und Menschenwürde sowie gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung einsetzen.

Knobloch betonte ihre persönliche Begeisterung für den Fußball und machte deutlich, dass ihr Herz für diesen Sport schlägt. Sie zeigte sich beeindruckt von der Leidenschaft, dem Ehrgeiz und der Fairness, die eine starke Mannschaft auszeichnen, und gratulierte der deutschen Nationalmannschaft sowie Jürgen Klopp zum Erfolg. Zugleich unterstrich sie, dass diese Werte nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch im gesellschaftlichen Zusammenleben von Bedeutung seien.

Besonders würdigte Knobloch das Engagement des deutschen Fußballs gegen Antisemitismus und Hass. Gleichzeitig verwies sie darauf, dass Judenhass auch in den Stadien weiterhin ein ernstes Problem darstelle. Das Wort „Jude“ werde als Schimpfwort verwendet, jüdische Spieler und Vereine würden teilweise ausgegrenzt. Umso wichtiger sei es, diesen Entwicklungen entschlossen entgegenzutreten. Der Julius-Hirsch-Preis sei dafür ein wichtiges Beispiel. Aus ihrer langjährigen Mitarbeit in der Jury wisse sie, wie viele Vereine und Fangruppen mit engagierten Projekten gegen Hass und Ausgrenzung vorgingen. Diese Menschen leisteten damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz und zur Stärkung der Demokratie – und genau das sei heute wichtiger denn je.

Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf äußerte große Sorge über die Lebenssituation jüdischer Menschen in Deutschland. Antisemitische Anfeindungen, Bedrohungen und Angriffe bewegten sich auf einem erschreckenden Niveau. Viele jüdische Menschen erlebten Antisemitismus im Alltag, im öffentlichen Raum und in den sozialen Medien. Immer mehr Menschen fühlten sich deshalb in Deutschland nicht mehr sicher und nicht mehr wohl.

Eine solche Entwicklung dürfe niemals als Normalität akzeptiert werden, betonte Neuendorf. Der Kampf gegen Antisemitismus sei nicht allein eine Aufgabe von Politik, Behörden und Justiz, sondern gehe die gesamte Gesellschaft an. Gerade der Fußball trage aufgrund seiner enormen Reichweite eine besondere Verantwortung. Millionen Menschen verfolgten Spiele, seien in Vereinen aktiv oder engagierten sich als Fans. Daraus erwachse die Verpflichtung, klare Haltung zu zeigen.

Auf Fußballplätzen und in Stadien, in Vereinen und Verbänden dürfe es keinen Platz für antisemitische Hetze und Menschenfeindlichkeit geben. Wo Grenzen überschritten würden, müsse konsequent eingeschritten werden. Gleichzeitig brauche es langfristige Anstrengungen, um Vorurteile und Hass bereits im Ansatz zu bekämpfen. Bildung, Begegnung und Erinnerung seien dabei zentrale Instrumente.

Das Treffen von Charlotte Knobloch und Bernd Neuendorf macht deutlich, dass die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs weit über Tore, Ergebnisse und Titel hinausgeht. Fairness, Respekt und Menschenwürde sind Werte, die nicht an den Stadiontoren enden dürfen. Der Fußball kann eine Plattform sein, auf der diese Werte sichtbar gelebt und an Millionen Menschen weitergegeben werden.

Die gemeinsame Botschaft von Knobloch und Neuendorf ist deshalb klar: Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung dürfen weder auf dem Spielfeld noch auf den Rängen oder in der Gesellschaft ihren Platz haben. Entscheidend sind dabei nicht nur klare Worte, sondern vor allem konkretes Engagement und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. So kann Fußball mehr sein als Sport – er kann ein starkes Zeichen für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit setzen.