Vom Kai Ulrich

Stellenabbau, hohe Energiekosten und wachsender Wettbewerbsdruck setzen die Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg zunehmend unter Druck. Bereits jedes vierte Unternehmen in der Region plant, in den kommenden sechs Monaten Personal abzubauen. Die AfD-Fraktion im Brandenburger Landtag warnt vor den Folgen weiterer Belastungen und fordert einen politischen Kurswechsel.

Die wirtschaftliche Lage der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg spitzt sich weiter zu. Angesichts steigender Kosten, wachsender bürokratischer Belastungen und eines zunehmend härteren internationalen Wettbewerbs geraten immer mehr Unternehmen unter Druck. Eine aktuelle Blitzumfrage des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg (VME) zeichnet ein alarmierendes Bild: Jedes vierte befragte Unternehmen in der Region plant, innerhalb der kommenden sechs Monate Arbeitsplätze abzubauen.

Bundesweit fällt die wirtschaftliche Einschätzung sogar noch pessimistischer aus. Nach einer Umfrage von Gesamtmetall unter 1.461 Unternehmen mit rund 800.000 Beschäftigten bewerten lediglich 21 Prozent ihre wirtschaftliche Lage als gut. Insgesamt rechnen 42 Prozent der befragten Betriebe mit einem weiteren Stellenabbau.

Besonders die Brandenburger Unternehmen kämpfen seit Jahren mit hohen Energiepreisen, einer erheblichen Steuer- und Abgabenlast sowie einer stetig wachsenden Bürokratie. Hinzu kommt der zunehmende internationale Wettbewerbsdruck, der die industrielle Produktion in Deutschland immer schwieriger macht. Vor diesem Hintergrund wächst die Sorge um die Zukunft des Industriestandortes Brandenburg. Weitere Belastungen könnten die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zusätzlich schwächen und den Abbau von Arbeitsplätzen beschleunigen.

Steffen John, wirtschaftspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Landtag Brandenburg, sieht angesichts der aktuellen Zahlen dringenden Handlungsbedarf. Die Landesregierung dürfe die Entwicklung nicht länger unterschätzen.

„Wenn jedes vierte Unternehmen unserer Metall- und Elektroindustrie bereits über Personalabbau nachdenkt, müssen bei der Landesregierung sämtliche Alarmglocken schrillen“, erklärt John. Dass Brandenburg im bundesweiten Vergleich derzeit noch etwas besser dastehe, dürfe niemanden in Sicherheit wiegen.

Besonders kritisch bewertet John die Forderung der IG Metall nach einer pauschalen Lohnerhöhung von fünf Prozent. Diese gehe an der wirtschaftlichen Realität vieler Unternehmen vorbei und drohe, die ohnehin angespannte Lage weiter zu verschärfen.

„Die Sicherung bestehender Arbeitsplätze muss nun höchste Priorität haben. Wem nützt die erkämpfte Tariferhöhung, wenn später die Belegschaft halbiert werden muss?“, fragt der Wirtschaftspolitiker.

John sieht die Ursachen der Krise jedoch nicht allein bei den Tarifparteien. Vielmehr müsse auch die Politik Verantwortung für die Entwicklung der vergangenen Jahre übernehmen. Hohe Energiepreise, Steuern und Abgaben sowie immer neue bürokratische Anforderungen hätten die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen nachhaltig geschwächt.

Die Politik müsse deshalb endlich auf Bundesebene wirksame Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durchsetzen. „Wünschenswerte Lohnsteigerungen müssen von den Unternehmen auch erwirtschaftet werden können“, betont John. Entscheidend sei, die Wertschöpfungsprozesse der Wirtschaft zu stärken und die Voraussetzungen für eine wettbewerbsfähige industrielle Produktion wiederherzustellen.

Die aktuellen Umfrageergebnisse verdeutlichen die wachsenden Herausforderungen für die Metall- und Elektroindustrie. Sollten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht spürbar verbessern, könnten weitere Unternehmen gezwungen sein, Arbeitsplätze abzubauen oder ihre Produktion einzuschränken.

Für Brandenburg steht damit mehr auf dem Spiel als eine kurzfristige wirtschaftliche Entwicklung: Es geht um die Zukunft industrieller Wertschöpfung, um sichere Arbeitsplätze und um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Industriestandortes.

John warnt deshalb vor den Folgen eines politischen Stillstands: „Wenn das nicht gelingt, drohen Personalabbau und damit das weitere Absterben unserer Metall- und Elektroindustrie.“