Moskau dreht im Streit über die Bezahlung von Energielieferungen Polen und Bulgarien das Gas ab. Berlin sieht die Versorgung Deutschlands noch gesichert. Die Regierung forciert nun den Ausbau von LNG-Kapazitäten.

Nach dem Stopp russischer Gaslieferungen an Polen und Bulgarien sieht die Bundesregierung die Versorgung deutscher Kunden zunächst nicht in Gefahr. „Derzeit ist die Versorgungssicherheit hier gewährleistet“, hatte das Wirtschaftsministerium am Mittwoch mitgeteilt. Die Gasflüsse seien alles in allem stabil.

Wichtigste Verbindung zwischen Russland und Deutschland ist die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1, die Polen und Belarus umgeht. Deutschland deckte im vergangenen Jahr 55 Prozent seines Gasbedarfs in Russland und arbeitet mit Eile daran, die Abhängigkeit zu verringern.
In einem Bericht des Wirtschaftsministeriums an den Bundestag vom Mittwoch ist allerdings die Rede von einer „akuten Gefahr, dass die Situation weiter eskaliert und russische Gaslieferanten ihre vertraglichen Verpflichtungen nicht oder nur eingeschränkt erfüllen“.

Die Bundesregierung will nicht sofort auf Erdgas aus Russland verzichten, weil sie weitreichende Folgen unter anderem für die Wirtschaft befürchtet. Kanzler Olaf Scholz hat mehrfach deutlich gemacht, dass aus Sicht Berlins in einem solchen Fall ganze Industriezweige in Deutschland bedroht seien. Das Wirtschaftsministerium rechnet bei einem Lieferstopp mit einer Rezession.

Russland in absehbarer Zeit aus dem Geschäft
Inzwischen liege der Anteil russischer Lieferungen bei 35 Prozent, sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck. Auch die Speicher füllten sich seit März langsam. Der Netzagentur zufolge sind die Füllstände der Speicher mit dem Frühjahr 2017 vergleichbar und höher als etwa im Frühjahr vergangenen Jahres.