Von Hany Danial
Deutschland bleibt auch unter Jürgen Klopp auf der Suche nach Stabilität. Das 0:0 gegen Griechenland in Thessaloniki war auf den ersten Blick ein enttäuschendes Ergebnis, doch bei genauerer Betrachtung erzählt dieses Unentschieden eine etwas kompliziertere Geschichte. Die deutsche Nationalmannschaft zeigt unter ihrem neuen Bundestrainer bereits deutlich erkennbare Veränderungen, nur stimmen die Resultate noch nicht mit dem spielerischen Anspruch überein.
Nach vier Spielen steht Klopp mit einem Sieg, zwei Unentschieden und einer Niederlage da. Auf das 1:1 gegen die Niederlande folgte die bittere 0:1-Heimniederlage gegen Griechenland, ehe Deutschland mit dem 2:0 gegen Serbien erstmals unter Klopp überzeugte. Das torlose Remis in Griechenland brachte nun zwar einen weiteren Punkt, ließ die Mannschaft in der Tabelle aber auf Rang drei zurückfallen. Die Niederlande und Griechenland führen die Gruppe mit jeweils acht Punkten an, Deutschland hat fünf Zähler.
Die nüchterne Bilanz ist deshalb zunächst ernüchternd. Von zwölf möglichen Punkten holte Deutschland nur fünf. Für eine Fußballnation, die regelmäßig um Titel spielen will, ist das zu wenig. Gleichzeitig wäre es falsch, Klopps Arbeit allein an dieser Statistik zu messen. Der neue Bundestrainer hat in seinen ersten vier Partien insgesamt 44 Spieler eingesetzt und 16 Neulinge nominiert. Er befindet sich damit nicht nur in einer Ergebniskrise, sondern mitten in einem personellen und taktischen Neuaufbau.
Auffällig ist vor allem die Veränderung im Spiel gegen den Ball. Deutschland wirkt aggressiver, dynamischer und mutiger im Pressing. Klopp versucht, die Mannschaft schneller nach vorne zu bringen und mehr Intensität in die Zweikämpfe zu bekommen. Gegen Serbien funktionierte dieses Konzept bereits hervorragend. Beim 2:0 war Deutschland über weite Strecken dominant und belohnte sich diesmal auch für seine offensive Energie. Gegen Griechenland fehlte dagegen die Konsequenz im letzten Drittel. Das 0:0 zeigt somit ziemlich genau das aktuelle Problem: Die Entwicklung ist erkennbar, aber die Effizienz fehlt noch.
Damit stellt sich die entscheidende Frage: Spiegeln die Ergebnisse tatsächlich die Leistungen wider? Nur teilweise. Die fünf Punkte sind objektiv zu wenig, doch sie erzählen nicht die gesamte Geschichte. Deutschland hat unter Klopp Phasen gezeigt, in denen die Mannschaft deutlich intensiver und moderner auftrat als während vieler schwieriger Momente der vergangenen Jahre. Gleichzeitig fehlt noch die Balance zwischen hohem Tempo, Kontrolle und Abschlussqualität. Matthäus kritisierte deshalb zu Recht, dass die Punkteausbeute nicht dem spielerischen Aufwand entspricht.
Der Vergleich mit Nagelsmann fällt besonders interessant aus. Bei der Weltmeisterschaft 2026 gewann Deutschland zunächst gegen Curaçao und die Elfenbeinküste, verlor anschließend aber gegen Ecuador und scheiterte im Achtelfinale beziehungsweise Sechzehntelfinale an Paraguay nach Elfmeterschießen. Im entscheidenden Spiel hatte Deutschland zwar rund 75 Prozent Ballbesitz, fand aber nur selten Lösungen gegen die tief stehende paraguayische Defensive.
Genau hier liegt ein wesentlicher Unterschied zu Klopps Ansatz. Nagelsmanns Deutschland hatte häufig mehr Ballbesitz und wollte über Kontrolle und Positionsspiel dominieren. Klopp setzt stärker auf Intensität, vertikales Spiel und kollektives Pressing. Das macht die Mannschaft momentan nicht automatisch erfolgreicher, aber zumindest schwerer auszurechnen. Der vielleicht größte Fortschritt besteht deshalb weniger in den Resultaten als in der neuen Energie innerhalb des Teams.
Für die Nations League bleibt die Ausgangslage dennoch anspruchsvoll. Deutschland braucht in den beiden November-Partien gegen Serbien und die Niederlande sehr wahrscheinlich Siege oder zumindest eine nahezu perfekte Punktausbeute, um unter die besten zwei Mannschaften zu kommen und das Viertelfinale zu erreichen. Die ersten beiden Teams der Gruppe qualifizieren sich direkt für die nächste Runde.
Klopps Zwischenbilanz fällt deshalb weder gut noch schlecht aus sie ist vor allem unfertig. Fünf Punkte aus vier Spielen sind enttäuschend, die erk,ennbare Entwicklung dagegen macht Hoffnung. Entscheidend wird nun sein, ob Deutschland aus seiner besseren Energie endlich konstant bessere Ergebnisse produziert. Genau daran wird sich Klopp im November messen lassen müssen. Denn eines ist bereits klar: Begeisterung allein reicht nicht. Deutschland braucht wieder Siege.





