Ein Rechercheverbund hat Daten der Credit Suisse ausgewertet. Die Bank soll viele Jahre Kriminelle, umstrittene Staatschefs und korrupte Beamte als Kunden geführt haben.

Autokraten, Drogendealer, umstrittene Staatschefs und korrupte Beamte sowie mutmaßliche Kriegsverbrecher und Menschenhändler soll die Schweizer Großbank Credit Suisse als Kunden akzeptiert haben. Das geht aus einem Datensatz hervor, den NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung auswerten konnten.

Ein anonymer Hinweisgeber hatte die Daten zunächst der Süddeutschen Zeitung zugespielt. Der Informant schrieb dazu: „Ich glaube, dass das Schweizer Bankgeheimnis unmoralisch ist. (…) Diese Situation ermöglicht Korruption und bringt die Entwicklungsländer um dringend benötigte Steuereinnahmen.“ Die Daten geben offenbar Aufschluss über die Eliten zahlreicher Entwicklungsländer, die bei der Credit Suisse ihre Vermögen aus zweifelhafter Herkunft angelegt und geparkt haben sollen.

Die Recherchen wurden vom internationalen Journalistennetzwerk Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) und der SZ koordiniert. Auch Journalistinnen und Journalisten von Le Monde, The Guardian, der New York Times und dem Miami Herald waren beteiligt.

Nach Schweizer Recht dürfen Banken kein Geld, das aus kriminellen Geschäften stammen könnte, annehmen. Zudem müssen die Geldinstitute melden, wenn bei Kunden der Verdacht besteht, dass ihr Vermögen aus Straftaten stammen könnte. Auch bei ausländischen Politikerinnen, Politikern und ihren Familien gelten strenge Regeln. Da hier die Gefahr von Korruption besteht, müssen die Banken die Herkunft der Gelder besonders prüfen und entsprechende Risiken ebenfalls abschätzen und gegebenenfalls melden. Die Credit Suisse hat dies offenbar über viele Jahre und in diversen Fällen nicht getan.

Die Unterlagen geben den Berichten zufolge Aufschluss über die Konten von mehr als 30.000 Kunden aus aller Welt. Den Daten zufolge hätten Kriminelle Konten eröffnen, beziehungsweise Konten auch dann behalten können, „wenn die Bank längst hätte wissen können, dass sie es mit Straftätern zu tun hat“.

In dem sogenannten Suisse-Secrets-Datensatz sind demnach mehrere Familienangehörige von Kasachstans Ex-Präsident Nursultan Nasarbajew vertreten. Dessen Familie gilt bis heute im Land als einflussreich. Demnach hätten zwei Töchter und ein Schwiegersohn Konten des Ex-Präsidenten bei der Credit Suisse gehabt. Die meisten seien im Jahr 2012 geschlossen worden. Auf mehreren Konten hätten sich zeitweise zweistellige Millionensummen, auf einem Firmenkonto sogar mehr als 843 Millionen Schweizer Franken befunden, steht laut Auswertung in den Daten. Die Präsidentenfamilie habe sich auf Nachfrage nicht äußern wollen.

 

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